Diese Sammelleistung zeigt: Deutschland verfügt über funktionierende Rücknahmewege. Kommunen, Handel, Hersteller und Entsorgungswirtschaft tragen dazu bei, Elektro-Altgeräte sicher zu erfassen und in den Kreislauf zurückzuführen. Auf diesem Erfolg gilt es aufzubauen. Denn noch immer erreichen zu viele ausgediente Geräte nicht die vorgesehenen Rückgabestellen.
Die aktuelle Sammelquote muss differenziert betrachtet werden
Der Rücknahmemenge von knapp 961.000 Tonnen steht für 2025 eine Inverkehrbringungsmenge von knapp 3,4 Millionen Tonnen Elektro- und Elektronikgeräten gegenüber. Diese Größen bilden die Grundlage für die nach den Vorgaben der WEEE-Richtlinie berechnete Sammelquote. Deutschland verfehlt damit rechnerisch das europäische Sammelziel von 65 Prozent deutlich. Auch die Inverkehrbringungsmengen der Vorjahre haben bereits an der Drei-Millionen-Tonnen-Marke gekratzt.
Goldberg fordert deshalb eine genauere Einordnung: „Doch rechtfertigt dies die weit verbreitete Forderung nach einem Systemwechsel bei der Rücknahme von Elektro-Altgeräten? Ich meine nein. Zunächst lohnt eine genauere Analyse der Gründe für das Unterschreiten der Quote. Diese sind mannigfaltig und beruhen teilweise sogar auf umweltpolitisch durchaus wünschenswerten Aspekten.“
Ein wesentlicher Grund liegt in der Energiewende. Seit Photovoltaikmodule 2016 in den Anwendungsbereich des Elektrogesetzes aufgenommen wurden, hat sich ihre Inverkehrbringungsmenge verachtfacht. Inzwischen machen sie mengenmäßig mehr als ein Viertel der gesamten Inverkehrbringungsmenge aus. Wegen ihrer langen Lebensdauer werden diese Geräte jedoch erst in einigen Jahren in relevanten Mengen als Altgeräte zurückkommen – gut für die Umwelt, schlecht für die Quote.
Auch eine längere Nutzung von Geräten beeinflusst die Sammelquote. Immer mehr Menschen nutzen Geräte länger oder lassen sie beispielsweise in einem Reparaturcafé instand setzen. Hinzu kommt der Export von Geräten zur Weiternutzung im Ausland, der besonders bei professionellen Geräten eine Rolle spielt. Beides ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll, führt aber zunächst zu geringeren Rücknahmemengen in Deutschland.
Das bestehende System gezielt verbessern
Gefordert wird teilweise, die bestehende EPR-Systematik abzulösen. Sie verbindet die Abholkoordination mit der individuellen Möglichkeit der Hersteller, Elektro-Altgeräte selbst zurückzunehmen. An ihre Stelle soll ein Modell mit Organisationen für Herstellerverantwortung, kurz OfHs, treten. Diese würden im Wettbewerb stehen und die rechtliche Verantwortung für die Sammelquote tragen.
Kann ein solcher Systemwechsel die Quote retten? Goldberg antwortet: „Wohl kaum. Denn an den soeben aufgezeigten Aspekten würde ein solcher Systemwechsel nichts ändern. Diese bestehen völlig unabhängig davon, wer die rechtliche Verantwortung für die Quote trägt. Und die Antwort darauf, wie und wo OfHs relevante zusätzliche Sammelmengen auftun sollten, steht weiterhin aus.“
Auch andere EU-Mitgliedstaaten mit einer OfH-Systematik verfehlen die erforderlichen Sammelmengen. Bußgelder oder der Entzug einer Betriebsgenehmigung für OfHs würden ebenfalls keine zusätzlichen Elektro-Altgeräte in die Sammlung bringen. Im schlimmsten Fall könnten solche Maßnahmen die Entsorgungsstrukturen gefährden, ohne die Sammelquote zu verbessern.
Goldberg fordert deshalb, die Aussagekraft der Quote zu überprüfen und die bestehenden Rücknahmewege weiterzuentwickeln: „Soll eine Sammelquote in Zukunft weiter als Gradmesser für die Qualität einer EPR-Systematik dienen und nicht zu einer aussageleeren Wegwerfquote verkommen, so ist aus den oben genannten Gründen mindestens eine Quotenflexibilisierung bzw. -differenzierung erforderlich.“
Entscheidend ist für ihn, das System an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten: „Parallel dazu ist die Effizienz der bestehenden Rücknahmewege mit Blick auf das Rückgabeverhalten immer wieder aufs Neue zu bewerten. Gesetzgeberische Bemühungen sind am Abbau bestehender Hürden bei der Rückgabe zu orientieren. Eine zielgerichtete und verständliche Information der Menschen schließt den Kreis.“
Rückgabe einfacher und sicherer machen
Genau hier setzen die Aktionswochen „Jeder Stecker zählt! Deutschland sammelt E-Schrott“ an. Die stiftung ear richtet sie vom 5. bis 18. Oktober gezielt rund um den heutigen International E-Waste Day aus. Kommunen und weitere Akteure machen Rückgabestellen sichtbar, informieren über die richtige Entsorgung und motivieren zum Mitmachen.
Ein Schwerpunkt der Kommunikation liegt auf der sicheren Rückgabe von Geräten mit Akkus. Lithium-Ionen-Akkus können bei Beschädigungen schnell in Brand geraten. Falsch entsorgte Akkus gefährden Menschen und können Entsorgungsanlagen lahmlegen. Akkugeräte gehören deshalb in die vorgesehenen Rücknahmewege.
Dabei zählt jedes Elektro-Altgerät. Das gilt für kleine Geräte mit Akku ebenso wie für Großgeräte. Auch ausgediente Waschmaschinen, Herde und andere große Elektrogeräte müssen zu den dafür vorgesehenen Rückgabestellen gebracht werden. Nur so können sie sicher behandelt und ihre Rohstoffe in den Kreislauf zurückgeführt werden.
Deutschland hat ein gutes Sammelsystem und nimmt bereits eine enorme Menge Elektro-Altgeräte zurück. Dieser Erfolg ist die Grundlage für den nächsten Schritt: Rückgabewege müssen noch einfacher gestaltet, bekannter gemacht und konsequenter genutzt werden. Wenn alle Beteiligten vorhandene Hürden abbauen, finden noch mehr Elektro-Altgeräte ihren Weg zurück in den Kreislauf.
Machen Sie mit: Geben Sie ausgediente Elektrogeräte über die vorgesehenen Rücknahmestellen ab. Jeder Stecker zählt!
Als Gemeinsame Stelle der Hersteller nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) nimmt die stiftung ear seit 2005 hoheitliche Aufgaben im Auftrag des Bundes wahr. Sie verantwortet die Registrierung von Herstellern sowie weitere Vollzugsaufgaben im Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) und übernimmt zudem zentrale Aufgaben nach dem Batterierecht. Damit leistet die stiftung ear einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft sowie zum Ressourcen- und Umweltschutz.
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