Was der Zweirad-Industrie-Verband für das erste Halbjahr 2026 meldet
Die Halbjahresbilanz des Verbands beschreibt eine Branche, die nach drei schwierigen Jahren wieder Boden gewinnt. Die Lagerbestände aus der Zeit nach dem Nachfrageschub sind nach Angaben des Verbands weitgehend abgebaut, der Handel bestellt allerdings weiter vorsichtig.
- Fahrradproduktion: ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025
- Fahrradabsatz: ein Plus von annähernd 10 Prozent
- Pedelec-Produktion: ein Plus von mehr als 4 Prozent
- Pedelec-Verkauf: ein Plus von rund 2 Prozent
- Ausfuhr von Rädern und Pedelecs: ein Plus von mehr als 6 Prozent
„Die ersten sechs Monate zeigen: Die Talsohle liegt hinter uns. Die Branche ist stabil und der Markt kommt wieder in Bewegung“, sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands. Wachstum meldet der Verband auch im Ersatzteil- und Zubehörgeschäft: Bei Verschleißteilen verzeichnet die Branche deutliche Zuwächse, die Werkstätten bleiben gut ausgelastet. Gravelbikes, also Räder für befestigte und unbefestigte Wege, gewinnen laut Verband inzwischen auch im mittleren und niedrigen Preissegment an Bedeutung.
Wie viele Menschen in Deutschland mit dem Rad unterwegs sind
Der Absatz beschreibt den Zufluss, nicht die Nutzung. Wie groß das Feld tatsächlich ist, zeigt die Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), vorgestellt am 4. März 2026 auf Grundlage von 17.300 Befragungen. Laut dieser Auswertung nutzen 39,3 Millionen Menschen in Deutschland das Rad im Urlaub oder in der Freizeit.
Die Auswertung unterscheidet vier Nutzungsformen mit sehr verschiedenen Größenordnungen. Auf Tagesausflüge entfallen 34 Millionen Menschen und 361 Millionen einzelne Ausflüge. Klassische Radreisen mit mehr als drei Übernachtungen unternahmen 3,3 Millionen Menschen, Kurzreisen mit einer oder zwei Übernachtungen 4,2 Millionen. Radfahren im Urlaub ohne geplante Radreise erreichte 12,7 Millionen Menschen und war damit das einzige wachsende Segment.
Nach Angaben des Fahrrad-Clubs nutzt die Hälfte der Radreisenden ein Pedelec, und 29 Prozent der Reisenden kauften vor der Reise neue Ausrüstung. Genau in dieser Position steht die Kamera: nicht als Hauptanschaffung, sondern als Zubehör, das mit dem Rad zusammen ausgesucht wird.
Was Action-Cams am Fahrrad anders leisten müssen als Kameras im Wohnzimmer
Die Anforderungen an eine Kamera am Rad unterscheiden sich in fast jedem Punkt von denen an eine Kamera im Innenraum. Entscheidend sind Halterung, Dichtigkeit gegen Regen und Spritzwasser, Verhalten bei Kälte sowie die Frage, wie ruhig das Bild bei Erschütterungen bleibt. Auflösung steht selten an erster Stelle, weil jedes aktuelle Modell sie ohnehin liefert.
Die Halterung ist der am häufigsten unterschätzte Punkt. Ein Lenker überträgt jede Fahrbahnunebenheit direkt in das Gehäuse, ein Helm dämpft stärker, verändert dafür aber die Blickrichtung mit jeder Kopfbewegung. Eine Klemmung am Vorbau liegt näher an der Rahmenmitte und zeigt weniger Lenkbewegung im Bild als eine Klemmung am Lenkerende.
Bei Nässe entscheidet nicht nur das Gehäuse, sondern auch die Frontlinse. Wassertropfen auf der Linse verwischen das Bild stärker als jede Kompression, und ein hydrophober Belag hält sie kürzer an der Oberfläche. Für Herbstfahrten kommt die Beschlagbildung dazu, wenn eine warme Kamera in kühle Luft gerät.
Warum die Stromversorgung über die Länge einer Aufnahme entscheidet
Der praktische Grenzwert einer Tour ist selten die Speicherkarte, sondern der Akku. Kälte senkt die entnehmbare Kapazität, eine dauerhaft aktive Funkverbindung zum Telefon kostet zusätzlich, und hohe Bildraten heizen den Sensor auf. Wie stark diese drei Faktoren zusammenwirken, beschreibt eine Einschätzung dazu, wie sich die Akkulaufzeit im Dauerbetrieb verlängern lässt.
Wer mehrtägig unterwegs ist, plant mit Wechselakkus statt mit einer einzelnen Zusatzbatterie. Eine Powerbank am Rahmen lädt zwar nach, hält die Kamera dabei aber warm und verlängert die Aufnahme nicht in jedem Fall. Bei den 4,6 Millionen klassischen Radreisen des Jahres 2025 mit durchschnittlich 7,6 Übernachtungen je Person ist der Ladeplan Teil der Reiseplanung.
„Am Rad entscheidet nicht der Datenblattwert, sondern die Halterung und der Akku. Eine Kamera, die nach vierzig Minuten abschaltet, hat die schönste Abfahrt des Tages nicht aufgezeichnet“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Die Marktzahlen zählen Räder, nicht Kameras
Aus den Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands lässt sich keine Stückzahl für Kameras ableiten. Nach Angaben des Verbands erfasst die Bilanz Produktion, Absatz und Ausfuhr von Rädern und Pedelecs, nicht das Zubehör anderer Branchen. Ein Plus von annähernd 10 Prozent beim Fahrradabsatz beschreibt deshalb ein größeres Umfeld, keine Nachfrage nach Aufnahmetechnik.
Auch die Radreiseanalyse misst Reisen und Ausgaben, nicht Ausrüstungsteile im Einzelnen. Laut der Erhebung umfasst der Wert von 29 Prozent Ausrüstungskäufen Räder, Taschen, Kleidung und Teile gemeinsam. Eine belastbare Zahl allein für Kameras am Lenker liegt aus keiner der beiden Quellen vor.
Welche Saison im September auf welche folgt
Der September ist für Aufnahmetechnik im Freien ein Umschlagpunkt. Die Wassersportsaison endet, die Wintersaison beginnt, und beide Zeiträume stellen verschiedene Anforderungen an Dichtigkeit und Kältefestigkeit. Händler sortieren ihr Sortiment in diesen Wochen um.
Die nächsten belastbaren Werte zum Fahrradmarkt legt der Zweirad-Industrie-Verband üblicherweise im Frühjahr für das abgelaufene Gesamtjahr vor, die Radreiseanalyse erscheint jeweils im März. Erst dann zeigt sich, ob die Erholung des ersten Halbjahres über das Weihnachtsgeschäft hinweg trägt. Für Action-Cams bleibt bis dahin die Regel des Herbstes: Die Halterung entscheidet über das Bild, die Temperatur über die Laufzeit.
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