Ein Hub für die Zukunft der KI

Das Global Technology Forum (GTF) der Technischen Universität München (TUM) am Campus Heilbronn hat sich als Plattform für internationalen wissenschaftlichen Austausch etabliert. Auch in diesem Jahr reisten zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Exzellenzuniversitäten aus aller Welt nach Heilbronn, einem Standort für Forschung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz und technologische Pioniere.

Die Kernbotschaft des GTF fasst Prof. Ali Sunyaev, Vizepräsident TUM Campus Heilbronn, zusammen: „Dieses Forum basiert auf Zusammenarbeit: Wissenschaftlicher Dialog, praktische Erkenntnisse und neue Netzwerke ebnen den Weg für nachhaltige Innovationen.“ Aus diesem Gedanken heraus wurde der „Joint Global AI Research Hub” ins Leben gerufen.

Was das Global Technology Forum auszeichnet und zukünftig erreichen will, bringt Gastgeber Ali Sunyaev auf den Punkt: „Gemeinsame Veröffentlichungen. Gemeinsame Datensätze. Gemeinsame Forschungsanträge. Vergleichende Studien. Gemeinsam betreute Doktorarbeiten. Forschung, die wirklich aus dieser Gemeinschaft heraus entsteht. Denn die intellektuelle Dichte in diesem Raum ist außergewöhnlich.“

In diesem Forschungshub entwickeln die Exzellenzuniversitäten ETH Zürich, Hebräische Universität Jerusalem (HUJI), HEC Paris, Nanyang Technological University (NTU), National University of Singapore (NUS), Stanford University und University of Oxford gemeinsam mit dem TUM Campus Heilbronn Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit. Herzstücke des GTF sind der Austausch mit regionalen und überregionalen Unternehmen und die Workshops, in denen neue Forschungsansätze und Kooperationen entstehen.

GTF trifft TECH

Im Rahmen des diesjährigen Global Technology Forums besuchten die internationalen Gäste die TECH2026 auf dem Messegelände der Theresienwiese in Heilbronn, um das lokale Ökosystem direkt zu erleben und mit den Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Dabei beteiligten sich einige der Wissenschaftlerinnen und Professoren als Podiumsgäste an zwei Diskussionsrunden.

Im House of Startups drehte sich alles um die ideale Verknüpfung von Forschung und Anwendung – und um Wege, die Lücke zwischen beiden zu schließen. Genau diese Herausforderung stand im Mittelpunkt der Public Fish Bowl Discussion „Bridging the Gap Between Research and Its Application, Commercialization, and Spin-offs“, die Prof. Martin Meißner vom TUM Campus Heilbronn moderierte.

Auf dem Panel waren mit Prof. Luise Pufahl vom TUM Campus Heilbronn, Prof. Alexander Ling Euk Jin von der National University of Singapore, Prof. Rainer Dumke von der Nanyang Technological University Singapore und Dr. Joba Adisa von der Stanford University internationale Perspektiven und Brückenbauer vertreten. Die Bausteine dafür sahen die Experten unter Anderem in langfristigen vertrauensvollen Beziehungen und dem Identifizieren von Marktnischen, die auch durch das große Zukunftspotenzial der Quantentechnologie entstehen.

Auch das TECH-Panel „Convergence or Collision: Bridging AI, Science & Society“ widmete sich der Frage, wie wissenschaftliche Innovationen erfolgreich in die Gesellschaft getragen werden können. Moderiert von Solveig Gode, Ressortleiterin Podcast, Live und Video des Handelsblatts, diskutierten Prof. Tomer Shadmy von der Hebräischen Universität Jerusalem, Carl Benedikt Frey vom Oxford Internet Institute, Prof. Ali Sunyaev, Vizepräsident TUM Campus Heilbronn, sowie Michael Impink von der HEC Paris darüber, wie KI für das Gemeinwohl der Wissenschaft vorangebracht und die Kluft zwischen wissenschaftlichen Möglichkeiten und gesellschaftlicher Bereitschaft geschlossen werden kann.

Während Tomer Shadmy die Frage in den Mittelpunkt stellte, wohin die Entwicklung führt und wie Institutionen neu gedacht werden müssen, plädierte Carl Benedikt Frey dafür, Grenzen zu verschieben und mehr Risiken einzugehen, um Wandel aktiv zu gestalten. Ali Sunyaev hob die Bedeutung des Teilens von Wissen und der internationalen Zusammenarbeit hervor. Michael Impink betonte, dass auch Start-ups und die Gesellschaft von Innovationen profitieren, wenn ein funktionierender Markt für Ideen besteht.

Workshops mit Wirkung

Ein besonderer Schwerpunkt des Forums sind die Workshops des Joint Global AI Research Hub. Am zweiten Tag des GTF stand der wissenschaftliche Austausch zwischen den Exzellenzuniversitäten des Hubs im Mittelpunkt.

Die diesjährigen Themen zeigen die Bandbreite aktueller Zukunftsfragen:

Im Workshop „Reimagining Academia in the Age of AI“ diskutierte Tomer Shadmy (Hebrew University of Jerusalem) gemeinsam mit den Teilnehmenden die Zukunft von Universitäten und Hochschulen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz. Im Mittelpunkt standen die tiefgreifenden Veränderungen durch KI als sogenannte General-Purpose-Technologie sowie die Frage, wie Forschung, Lehre und gesellschaftliche Verantwortung von Universitäten neu gedacht werden können. Die Arbeitsgruppen entwickelten Perspektiven für eine stärkere Ausrichtung von Forschung auf Analyse und Umsetzung, für eine Lehre mit Fokus auf Weisheit und Kompetenzentwicklung sowie für die Förderung von KI-Kompetenz als zentrale gesellschaftliche Aufgabe für Universitäten.

Im Workshop „AI in Healthcare and Medicine“ zeigte Prof. Jingui Xie (TUM Campus Heilbronn) auf, wie Künstliche Intelligenz Gesundheitsversorgung und Medizin verändern kann. Die Teilnehmenden diskutierten den Einsatz von KI entlang medizinischer Arbeitsabläufe, das Training von Large Language Models (LLMs) für den klinischen Einsatz, den Aufbau von Vertrauen in KI-Systeme sowie die Herausforderungen bei der Übertragung von Modellen in reale Anwendungsszenarien im Besonderen in der Interaktion zwischen Menschen und KI. Als Ergebnis wurden Ansätze für die gemeinsame Neugestaltung medizinischer Prozesse erarbeitet und Potenziale insbesondere für Anwendungen im Bereich der mentalen Gesundheit identifiziert.

Im Workshop „AI and the Transformation of Work and Business Processes“ untersuchten Prof. Luise Pufahl (TUM Campus Heilbronn) und Dr. Fabian Braesemann (University of Oxford) die Auswirkungen von KI auf Arbeit, Produktivität und Geschäftsprozesse. Dabei standen die Entwicklung relevanter Forschungsfragen, mögliche Transformationspfade sowie Chancen und Herausforderungen für wissensintensive Tätigkeiten im Fokus. Die Diskussionen mündeten in die Konzeption eines wissenschaftlichen „Discussion Papers“, das die erarbeiteten Perspektiven weiter vertiefen soll.

Im Workshop „Advances in the Quantum Internet“ gaben Prof. Alexander Ling Euk Jin (National University of Singapore) und Prof. Achim Kempf (University of Waterloo) Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um Quantenkommunikation und Quanteninternet. Diskutiert wurden technologische Herausforderungen bei der Vernetzung von Geräten und Komponenten über große Distanzen sowie die Verknüpfung mit KI. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Quantentechnologie nicht isoliert betrachtet werden kann, dass sie klassische Computer nicht komplett verdrängen wird und dass sich aus der Vielzahl der derzeitigen Systeme mit der Zeit einige Standards von selbst durchsetzen werden. 

Mehr als eine Konferenz

Als Panel-Teilnehmerin und Workshop-Verantwortliche war Prof. Tomer Shadmy eine der prägenden Kräfte des diesjährigen Forums. Sie nahm bereits zum zweiten Mal am GTF teil und zieht ein positives Fazit: „In Heilbronn entsteht ein Treffpunkt für weltweit führende Institutionen, an dem die Zukunft der Technologie neu gedacht wird. Die Motivation, Menschen zusammenzubringen und Dinge anders anzugehen als bei üblichen akademischen Konferenzen, ist großartig. Das schafft eine besondere Atmosphäre und liefert konkrete Ergebnisse.“

Das GTF unterstreicht die Rolle Heilbronns als aufstrebendes Ökosystem für Innovationen. Wenn internationale Expertise gebündelt wird, Forschende sich disziplinübergreifend austauschen und mit möglichen Industriepartnern vernetzen, entstehen gemeinsame Projekte mit Wirkung weit über die Region hinaus. Sie können die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz vorantreiben und zugleich gesellschaftliche Herausforderungen adressieren. So wird die Zukunft aktiv gestaltet, denn wie viele Teilnehmende betonen: KI ist gekommen, um zu bleiben.

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