Der Havarie-Kommissar rät: So verhalten Sie sich richtig bei Transportschäden

Als Sachverständiger für Transport- und Güterschäden, kurz: Havariekommissar, wickelt Karl A. Selig seit über 30 Jahren erfolgreich Transportschäden ab. Im exklusiven TimoCom LiveTalk am 11. April auf Facebook gab er hilfreiche Tipps und spannende Beispiele aus seinem Berufsalltag.

Was ist das Faszinierende an dem Beruf Havariekommissar?
Dass man bei jedem Schaden etwas Neues lernt. Neue Menschen, neue Technologien. Man lernt neue Warengruppen kennen. Ich bin wie ein „kleiner“ Detektiv. Mein großes Vorbild ist „Columbo”.

Was ist die Rolle eines Havariekommissars? Ankläger, Gutachter oder Richter?
Ich bin ein Feststeller! Ich stelle den Schaden fest – der Höhe und dem Grunde nach: Warum ist er eingetreten? Wie hoch ist der Schaden? Ist der Schaden tatsächlich in der Höhe eingetreten, in der er angegeben wurde? Ist es ein Totalschaden? Kann man etwas aufarbeiten, kann man etwas sortieren, kann man etwas reparieren lassen?


Heutzutage wird alles Mögliche transportiert: vom Apfel bis zur Zahnbürste. Alles kann morgen einen Schaden haben. Das Lernspektrum ist also so breit wie die Produktpalette.

Wie lange dauert es so einen Transportschadensfall zu lösen?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche Schäden sind nicht so offensichtlich. Länger dauert ein Schaden, bei dem man nachforschen muss, was eigentlich passiert ist. Wir hatten z.B. einen Schaden mit Fleisch, das größtenteils verdorben beim Empfänger ankam. Die Recherche ergab, dass die Ware dem Anschein nach zu alt und zu warm verladen wurde. Somit konnten wir den Transportschaden ausschließen. Der Fahrer hatte hier keine Chance mehr bekommen, den Ladevorgang zu überwachen oder die Ware auf deren Zustand und deren Temperatur hin zu überprüfen. In so einem Fall ist es wichtig, diesen Umstand im Frachtbrief zu vermerken.

Kann man beschädigte Ladungen noch retten bzw. bergen?
Ja, sicherlich. Erst kürzlich wurde ich gerufen, als eine Ladung Schinken um 06:00 Uhr in der Früh umgestürzt ist. Da hieß es zunächst, dass dieser weggeschmissen werden muss. Wir konnten jedoch die Ladung sauber bergen und das Ganze war noch innerhalb der Bestimmungen für die Kühlkette. Somit haben wir insgesamt 70% der Ladung gerettet. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man bei 50% der Fälle Schadensminderung erreichen kann, ob es jetzt um Spielsachen oder gefrorene Ware geht.

Wie viel Geld kann man sparen, wenn man einen Havariekommissar beauftragt?
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Aber wenn man bedenkt, dass es Firmen gibt, die jährlich 80.000 – 160.000 Euro für Schäden einplanen, ist das schon ein wirtschaftlicher Wahnsinn. Sie schreiben das Geld quasi ab, ohne dass es sein muss. Weil ihnen eben das Wissen fehlt oder sie zu bequem sind! Dabei liegt der Schaden oft gar nicht in deren Verantwortung.

Ist die Aufgabe eines Havariekommissars überhaupt in der Transport- und Logistikbranche bekannt?
Viele wissen gar nicht, dass sie überhaupt diese Möglichkeit haben. Viele trauen sich nicht. Andere denken wiederum, dass es die Aufgabe der Versicherung ist. Oder wir werden zu spät eingeschaltet. Also erst dann, wenn man eine Glaskugel bräuchte, um nachzuvollziehen, was eigentlich passiert ist. Dabei schafft es jeder Kommissar in seinem Umkreis in einer halben Stunde loszufahren und dann spätestens in zwei Stunden vor Ort zu sein, um die Ladung zu besichtigen. Es lohnt sich dann eben auch, diese maximal drei Stunden zu warten. Das spart im Endeffekt wieder Zeit, Nerven und Geld. Mit jeder Stunde nach dem Unfall verändert sich das Schadensbild. Letztens erst gab es wieder einen Fall, wo die Ware einfach falsch verladen war. Den Fehler haben wir fast zufällig entdeckt – er war nicht offensichtlich. Das Unternehmen hätte sonst 40.000 Euro bezahlen müssen, obwohl es nichts dafürkonnte.

Wer bezahlt den Havariekommissar?
Wenn man das direkt mit der Versicherung abspricht, werden die Kosten in der Regel von der Versicherung übernommen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Transportschäden?
80% der Transportschäden sind auf mangelhafte Planung und schlechte Verpackung zurückzuführen. Weil keiner sich Gedanken darüber macht, was eigentlich transportiert wird und wie es dann verpackt sein sollte. Der Zusammenhang von der Produktion bis zum Transport wird nicht klar. Dafür sind in den Unternehmen jeweils einzelne Personen zuständig, die oft nicht oder nicht genügend miteinander kommunizieren.

Ein Beispiel: In der guten alten Zeit von König Ludwig wurde Wein in Holzkisten transportiert. Die Weinflaschen waren zusätzlich in Seidenpapier eingewickelt, damit sie nicht zerkratzen. Im Laufe der Zeit kam man irgendwann darauf, dass man den Wein in Kartons auf Paletten transportieren kann. Doch dann wurden die Kartons immer dünner und billiger. Wenn man heute in einem Supermarkt einen Karton Wein mitnehmen möchte, kann man sich nicht sicher sein, ob dieser noch bis zur Kasse ganz bleibt.

Nicht selten fahren die Lkw solche Billig-Kartons mit Wein über 600, 1.000 oder 2.000 Kilometer. Die Flaschen bewegen sich, das Material nutzt sich ab. Wenn der Fahrer dann auch noch eine Vollbremsung machen muss, wird die Ware endgültig beschädigt und nicht angenommen. Dann heißt es am Ende zum Fahrer: „Du bist schlecht gefahren. Du bist schuld.” Dabei ist das ganz klar ein Absenderverschulden. Ware muss so verpackt sein, dass sie auch eine Vollbremsung aushält.

Dass ein besserer Karton, der nur ein wenig mehr kostet, die Ware 50% besser aushält beispielsweise, interessiert den Einkäufer in der Firma meist nicht. Der schaut nur darauf, was er beim Einkauf gespart hat. Die Konsequenzen sind nicht klar oder sie werden nicht gezogen. Das ist viel zu kurz gedacht. Das gilt nicht nur für Transport, sondern auch für die Lagerung. Es wird am falschen Ende gespart.

Wie sollte man sich bei einem Transportschaden verhalten? Welche grundlegenden Tipps gibt es?
Da macht es uns Rumänien ganz gut vor. Wenn ein rumänischer Fahrer einen Transportschaden hat, dann füllt er eine Stellungnahme aus, in der alles Wichtige aufgenommen wird: von der Identität des Fahrers bis zur Beschreibung des Schadens. Er macht direkt Bilder vor Ort mit seiner Handykamera, die heute jeder dabeihat. Es kostet nichts, ein paar Digitalbilder zu machen. Kann aber eben sehr viel Geld sparen. Denn es ist wichtig, wie die Ware vor Ort aussieht. Nicht später im Lager. Kurz gesagt: Planen und Kommunizieren im Vorfeld ist wichtig, um Schäden zu meiden. Wenn sie passieren, ist eine gute Dokumentation vor Ort unerlässlich.

Das Ganze Gespräch kann unter dem folgenden Link auf dem TimoCom Youtube Kanal angeschaut werden: https://youtu.be/7vZLeXrx_7c

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